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14.12.2018 04:05:27


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Eine weitere Sage vom Hüttnersee (Sage 4)

 

Es war vor vielen, vielen hundert Jahren, da gab es noch keinen Hüttnersee. An seiner Stelle dehnte sich ein finsterer Tannenwald aus, durch den der alte Pilgerweg nach Einsiedeln führte. Mitten im Gehölz konnte man das Plätschern einer Quelle vernehmen, deren Wasser sich aus einem uralten Holztüchel ergoss. Das war der Pilgerbrunnen. Gerne erlabten sich hier die Wallfahrer, bevor sie den letzten Anstieg gegen die Schindellegi hinauf unter die Füsse nahmen.
Einst langte spät am Abend ein müder Pilger bei diesem Brunnen an. Er setzte sich neben der Quelle nieder, um etwas auszuruhen. Kaum hatte er sich auf dem weichen Moospolster des Waldbodens niedergelassen, als plötzlich ein Greis mit langem, weissem Bart aus dem Waldesdunkel vor ihm auftauchte. Er trug auf seinem Rücken ein Bündel Riedbesen, die er aus den langen Halmen der Riedbesenstreu kunstvoll gezöpfelt und geknüpft hatte. Weil er seit Jahrzehnten alljährlich aus dem Hochtal von Einsiedeln mit seinem Besenbündeln ins Zürichbiet herunter kam, war er dort jedermann unter dem Namen “Beselimaa“ bekannt.
Im Laufe des Gespräches, dass die beiden anknüpften, erkundigte sich der Besenmann nach den Reiseplänen des Pilgers. Dieser erklärte ihm, dass er noch heute bis nach Maria-Einsiedeln weiter wandern werde um am übernächsten Tage wieder auf demselben Wege zurückzukehren. Da lachte der Greis laut auf und sprach: „Ja, du hast gut sagen wenn du übermorgen wieder auf diesem Weg zurückkehren willst, wirst du deinem Durst nicht mehr an diesem Brunnen stillen können. Frage mich aber nicht weiter, Gott sei mit dir, leb wohl.“ Dann verschwand der Greis. Nachdenklich setzte der Pilger seinen Weg fort.
Als der Wallfahrer am zweitfolgenden Tag wiederum auf demselben Weg zurückkehrte, da wartete seiner eine grosse Überraschung. Anstelle des Waldes, den er vorgestern noch durchschritten hatte, breitete sich eine dunkle Seefläche vor ihm aus. Das Gehölz samt dem Pilgerbrunnen war in die Tiefe versunken. Nur rings am Ufer gewahrte er noch hie und da Wipfel und Äste ertrunkener Tannen aus dem Wasser ragen.

Die alten Leute der Gegend kennen noch zwei weitere kleine Sagenbildungen um den See. Die eine berichtet von der unergründlichen Tiefe dieses Gewässers. Und nach der anderen sollte der See einen unterirdischen Ausfluss im Zürichsee bei Wädenswil besitzen. Die Sage vom Hüttnersee gehört in den Kreis jener Sagen, welche eine auffällige Naturerscheinung zu erklären suche. In ähnlicher Weise haben sich weitere Sagen gebildet.
Diese Natursage deutet Dr. W. Höhn wie folgt: Die vielen, oft dicht beieinander liegenden Baumleichen beweisen das ehemalige Vorhandensein eines mehr oder weniger geschlossenen Waldbestandes. Da sie sämtlich in Torf eingebettet sind, müssen diese Fichten auf schon vorher gebildeten Torfschichten gewachsen sein. Diese holzführenden, oberflächlichen Torflager liegen aber auf einer mehrere Meter mächtigen Seekreideschicht, wie Tiefbohrungen, die er selbst ausführte einwandfrei ergaben. Folglich kann sich hier nicht der Wald zuerst befunden haben, sondern eine offene Wasserfläche, die sekundär von Torfrasen überwachsen wurde. Die mit den Wipfeln seewärts gerichtete, parallele Lage der Stämme lässt sich dadurch erklären, dass die Torffläche, worauf diese Bäume wuchsen, sich seewärts neigte. Es musste also in grauer Vorzeit durch eine ausserordentliche Absenkung des Seespiegels ein katastrophaler Ufereinbruch stattgefunden haben. Ob sich dieser nun in mehreren Phasen nacheinander vollzog oder in einer einmaligen Abrutschung stattfand, wie die Sage andeutet, lässt sich heute nicht mehr entscheiden. Es kann jedoch das seeseitige Umstürzen der Uferbäume auch durch blosse intensive Uferunterspülung erklärt werden.

letzte Nachführung: Juli 2006

Brunnen
 

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