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24.09.2018 13:50:43


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Hüttnersee

 

Fisch und Krebse aus dem Bibetsee

Die älteste urkundliche Erwähnung des Hüttnersees datiert vom 6. August 1520. Das Gewässer trug damals den Namen „Bibetsee“, eine Bezeichnung, welche sich bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts erhalte hat. Schon auf der Zürcher Kantonskarte von Hans Conrad Gyger aus dem Jahre 1667 tritt der Name Hüttnersee auf, der sich in der Folge durchsetzte und die ursprüngliche Bezeichnung verdrängte.
Der Hüttnersee war seit alter Zeit fischreich. Schon 1520 stritt der Johanniterkomtur Johannes von Hattstein mit fünf Anwohnern – Ruedi Strickler im Feldmoos, Hans Strickler auf Unter Laubegg, Ruedi Hiestand an der Blegi, Ueli Hiestand auf dem Berg und Jörg Bürgi – wegen Fischereirechten, welche eigentlich den Johannitern zustanden. Man einigte sich darauf, die Nachbarn dürften wie bis anhin im Bibetsee Hanfstengel wässern, Krebse und Fische fangen, doch nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Johanniterkomturs. Verboten war der Einsatz der Hechtangel und das Fischen mit lebender Speise. Das Fischereirecht wurde ausdrücklich den fünf Genannten zugebilligt. Diese hatten dafür darüber zu wachen, dass keine Unbefugten Hecht, Brachsmen oder Krebse fingen.
Mit dem Verkauf der Johanniterherrschaft Wädenswil ging die Fischenz im Hüttnersee im Jahre 1549 an Zürich über. Der Zürcher Landvogt zu Wädenswil verpachtete dieses Recht an Herrschaftsangehörige. 1554 beispielsweise fischten hier die Baumanns aus Richterswil. Sie hatten der Landvogtei jährlich einen Geldbetrag abzuliefern.
Seit dem 17. Jahrhundert haben Maler und Literaten dem Bibet- oder Hüttnersee immer wieder Beachtung geschenkt. Die älteste zeichnerische Darstellung stammt vom Niederländer Jan Hackaert, aus dem Jahre 1655. Das Original befindet sich heute in der Kunstsammlung zu Weimar. Johann Konrad Füssli notierte 1770 in seiner „Staats- und Erdbeschreibung der Schweizerischen Eidgenossenschaft“, dass in der Nähe von Hütten einkleiner See liege, das „Hüttner- oder Weibetseeli“ genannt. „In alten Urkunden heisst es Bibet- oder Bibentseeli. Es ist wegen guten Krebsen gekannt, die darin gefangen werden.“ Und Johann Wolfgang Goethe hielt anlässlich seiner dritten Schweizerreise 1797 in seinem Tagebuch fest, dass der Hüttnersee zwar nicht gross sei, dafür aber gute Fische und Krebse enthalte. Krebse gab es auch im Waschbächlein, welches das Wasser aus dem Langmoos dem Hüttnersee zuführt. Es war früher nicht wegen der Wäsche bekannt, die man darin spülte, sonder wegen der vielen Krebse, die man hier mit Leichtigkeit fangen konnte. Das Gewässer hiess früher darum auch Krebsbächlein. Heute trägt nur noch der Ausfluss aus dem Hüttnersee diesen Namen.

Die Entstehung des Hüttnersees

Der im Gehöft „Seeli“ aufgewachsene Naturforscher Dr. h.c. Walter Höhn-Ochsner (1885 – 1981) hat sich seit früher Kindheit mit der Entstehung, der Flora und Fauna des Hüttnersees befasst. Seine Bohrungen und Beobachtungen, in den Neujahrsblättern der Lesegesellschaft Wädenswil publiziert, haben zu folgenden Erkenntnissen geführt:
Vor etwa 15'000 Jahre, am Ende der letzten Eiszeit, schürfte eine Seitenzunge des Linthgletschers die Mulde des Hüttnersees aus und türmte den Moränenquerriegel Seerain auf, wodurch der Abfluss der Schmelzwasser gehemmt wurde. Der glaziale See war ursprünglich doppelt so gross wie heute; er umfasste auch das Gebiet der jetzigen Riedfläche im Südwesten, des Storchweidlis. Kauf war der Endmoränenstausee gebildet, setzte der Verlandungsprozess ein. Der Wäschebach und der vom Segel herkommende Böschenbach lagerten im Hüttnersee Geschiebe, Sand und Ton ab, der allmählich in Seekreide überging. Später bildete sich am Ufer ein Schilf - Seggensumpf, auf dessen Torf sich nachher Wald ansiedelte. Beim Einsturz unterspülter Uferböschungen fielen ufernahe Bäume samt grösseren Torfmassen ins Wasser und versanken. Im Jahre 1915 zählte Walter Höhn auf dem Ufergürtel des väterlichen Heimwesens „Seeli“ 184 vermoderte Fichtenstämme oder „Rönen“, wie die eingesessene Bevölkerung solche im Wasser und im Torf versunkene Baumstämme nannte. Die meisten Stämme wurden wegen Brennstoffknappheit während des Ersten Weltkrieges gehoben und verheizt. Menschliche Eingriffe begannen die Naturlandschaft am Hüttnersee ebenfalls zu verändern. Ein Netz von Bewässerungsgräben durchzieht das Seeried. Der künstlich erstellte Kanal der Lölismühle (Neumühle) reguliert den mit Pegel versehenen Abfluss; ein Teil des Nordufers wurde durch erratische Blöcke verbaut.

Schutz- und Erholungsgebiet

1945 erliess der Regierungsrat des Kantons Zürich eine Verordnung zum Schutze des Hüttnersees. In einem gewissen Umkreis um den See darf nicht gebaut werden; das Betreten und Befahren der Schilf-, Binsen-, Seerosen-, und Teichrosenbestände sind ebenso verboten wie das Betreten und Beseitigen des Schwingrases am Westende des Hüttnersees. Damit sind der See und das grosse Flachmoor Storchenweidli mit seiner seltenen Flora bewahrt von Wochenendhäuschen, Zeltplätzen Reklameschildern, Gerümpelablagerungen und Motorbootgeknatter. Der Zutritt zum Wasser ist nur im Areal der 1949 eröffneten, auf Gemeindegebiet von Richterswil gelegenen Badeanlage in der Nordostecke des Sees erlaubt. Im Winter ist die zugefrorene Wasserfläche ein willkommener Tummelplatz der Schlittschuhläufer. Einheimischen dient der Hüttnersee auch als Wetterzeichen: Laufen die Wellen vom Seerain gegen Pöschen, verkünden sie gutes Wetter. Wandern sie aber vom Storchenweidli zur Blegi, wird es Regen geben.

Die Sage vom Hüttnersee

Frau Katharina Höhn-Leuthold (1824 – 1905) erzählte ihrem Enkel Walter Höhn folgende Sage von der Entstehung des Hüttnersees:
„Es war vor vielen hundert Jahren. Da gab es noch keinen Hüttnersee. An seiner Stelle dehnte sich ein finsterer Tannenwald aus, durch den der alte Pilgerweg nach Einsiedeln führte. Mitten im Gehölz konnte man das Plätschern einer Quelle vernehmen, deren Wasser sich aus einem uralten Holztüchel ergoss. Das war der Pilgerbrunnen. Gerne erlabten sich hier die Wallfahrer im kühlen Schatten nach ihrer langen Wanderung, bevor sie den letzten Anstieg gegen die Schindellegi hinauf unter die Füsse nahmen.
Einst langte am Abend spät ein müder Pilger bei diesem Brunnen an. Er setzte sich neben dieser Quelle nieder, um etwas auszuruhen. Kaum hatte er sich auf dem weichen Moospolster des Waldbodens niedergelassen, als plötzlich ein Greis mit langem, weissem Bart aus dem Waldesdunkel vor ihm auftauchte. Er trug auf seinem Rücken ein Bündel Riedbesen, die er aus den langen Halmen der Riedbesenstreu kunstvoll gezöpfelt und geknüpft hatte. Weil er seit Jahrzehnten alljährlich aus dem Hochtal von Einsiedeln mit seinen Besenbündeln ins Zürichbiet herunterkam, war er dort jedermann unter dem Namen „Beselimaa“ bekannt.
Im Laufe des Gepräches, dass die beiden anknüpften, erkundigte sich der Besenmann nach den Reiseplänen des Pilgers. Dieser erklärte ihm, dass er noch heute bis Maria-Einsiedeln weiterwandern werde, um am übernächsten Tag wieder auf demselben Weg zurückzukehren. Da lachte der Greis laut auf und sprach: ’Ja, du hast gut sagen! Wenn du übermorgen wieder auf diesem Weg zurückkehren willst, wirst du deinen Durst nicht mehr an diesem Brunnen stillen können. Frag aber nicht weiter, Gott sei mit dir, leb wohl.’ Dann verschwand der Greis. Nachdenklich setzte der Pilger seinen Weg fort.
Als der Wallfahrer am zweitfolgenden Tag wiederum auf demselben Wege zurückkehrte, da wartete eine grosse Überraschung seiner. An Stelle des Waldes, den er vorgestern noch durchschritten hatte, breitete sich eine dunkle Seefläche vor ihm aus. Das Gehölz samt dem Pilgerbrunnen war in der Tiefe versunken. Nur rings am Ufer gewahrte man noch hie und da Wipfel und Äste halbertrunkener Tannen aus dem Wasser ragen.“

Quelle: Prof. Peter Ziegler, Wädenswil
letzte Nachführung: 1987

Hütten
 

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