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23.06.2018 14:01:37


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Molkenkurort

1810 - 1910

Molkenkurort
 

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Hütten ein bekannter Molkenkurort. Die ersten Kurgäste, meist aus der Stadt Zürich, fanden sich im Jahre 1810 ein. Sie genossen hier Kuhmilch, später auch Ziegenmolke. Beliebt waren Spaziergänge in frischer Landluft: zum Schänzli ob der Krone, auf das Bergli, auf die Laubegg, nach Schindellegi und über den Zittersteg auf den Rossberg. Der Weg dorthin sei leicht zu finden, schrieb Gerold Meyer von Knonau 1834, wolle man aber über Schönau gehen, so bedürfe man eines Führers.
Ein Verzeichnis der Wirtschaften aus dem Jahre 1804 erwähnt in Hütten drei Tavernen, das heisst Gasthäuser, in denen warme Speisen serviert wurden und in denen Leute übernachten konnten. Es waren die „Krone“, der „Bären“ und der „Löwen“. Alle drei wurden damals von Angehörigen der seit Generationen in Hütten ansässigen Familie Bär geführt.
Der älteste und bekannteste Gasthof war die „Krone“. Während des Zweiten Villmergerkrieges von 1712 wurde sie von Plünderern heimgesucht. Am 28. September 1797 kehrte Goethe auf seiner dritten Schweizerreise hier zum Mittagessen ein. Das Gebäude war damals ein stattliches Riegelhaus mit Butzenscheiben und einer Freitreppe, die in die Gaststube führte. Zu den Kurgästen der „Krone“ gehörte im August 1826 der Zürcher Schriftsteller und Zeichner David Hess (1770 – 1843). Zwei Jahre zuvor hatte er seinen einzigen Sohn verloren. Psychisch und physisch angeschlagen, erholte sich Hess in Hütten auf Spaziergängen und beim Zeichnen. Die acht Zeichnungen und topografischen Aufrisse, die David Hess 1826 in Hütten geschaffen hat, bilden eine wertvolle Dokumentation über das Dorf in der ersten Hälfe des 19. Jahrhunderts. Hess zeichnete die Kapelle, die „Krone“, vornehme Zürcher Damen auf dem Spazierritt, aber auch ein Hüttner Bauernmädchen mit langem Rock und schlichter Frisur neben einem Miststock.
Besonders berühmt war die „Krone“ wegen ihrer anmutigen Zimmer und guten Betten. Der Gasthof wurde 1830 erweitert und mit einer Badeeinrichtung ausgestattet. Im Inseratenteil des 1899 erschienenen „Führers von Richterswil und Umgebung“ machte der Kronenwirt seine Gäste auf den Komfort aufmerksam, dass täglich zweimal die Postkutsche von und nach Wädenswil beziehungsweise Schindellegi verkehre. Er pries „gewissenhafte Verpflegung“, elektrisches Licht in allen Zimmern, Post und Telefon im Haus, bescheidener Pensionspreis an.
Um die Jahrhundertwende war Albert Hiestand-Isler (1857 – 1908), Bezirksrichter, Gemeindepräsident und Kantonsrat, Kronenwirt in Hütten. Sein Kurhaus galt immer noch als Mittelpunkt in einem „halt alpinen Bergdorf, hart an der Grenze der Innerschweiz, mit der herrlichsten Sicht über den heimatlichen See“.
Nach dem Tod von Wirt Albert Hiestand wurde es stiller um die erste Gaststätte in Hütten. Die „Krone“ wurde mehr und mehr Gashaus für die Dorfbevölkerung und für Sonntagsausflügler. Im Kronensaal fanden – bis zur Einweihung des Hüttner Mehrzwecksaals im Jahre 1968 – die Kränzchen der Dorfvereine statt. Dann verschwanden die Bäume vor dem Gasthaus, das Tavernenschild von 1833 und die stattliche Kronenscheune. 1982 wurden die 21 Gastzimmer geräumt; heute enthält das Gebäude Wohnungen.
Der von Heinrich Bär geführte, 1834 im klassizistischem Stil neu gebaute „Bären“ war wegen seiner prächtigen Aussicht berühmt. 1880 erscheint A. Hiestand als Inhaber. Der „Bären“ war zur Dependance des Gasthauses „Krone“ geworden. 1915 wurde der Gasthof aufgehoben. Der „Löwen“ wurde das „Kreuz“. Der Regierungsrat des Kantons Zürich hiess diese Änderung am 9. Oktober 1833 gut. Neben diesen drei Tavernen, von denen heute einzig noch das „Kreuz“ besteht, gab es in Hütten schon im 19. Jahrhundert eine Reihe von Weinschenken und Speisewirtschaften, die ebenfalls vom Ruhm des Kurortes profitierten. 1811 werden die Weinschenken von Johannes Bär „auf Hütten „ und von Heinrich Hiestand „ auf dem hintern Boden“ erwähnt. 1833 liest man von der Weinschenke „Zur Frohen Aussicht“ des Caspar Strickler. 1870 nennt das Wirtschaftsverzeichnis die Weinschenke „Schöntal“ des Heinrich Hofmann. Eduard Eschmann zum „Kreuz“ erstellte 1867 beim Seeli ein Kegelbahngebäude, dem 1893 eine Trinkhalle beigefügt wurde. Ein Restaurant Säge bestand von 1881 bis 1971.

Quelle: Prof. Peter Ziegler, Wädenswil
letzte Nachführung: 1987

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