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21.06.2018 14:15:36


vorhergehendes Ereignis

Entwicklung, Denkmalpflege

 

Hütten gehört zum ausgeprägten Streusiedlungsgebiet mit vorherrschenden Weiler- und Einzelhofsiedlungen. Manche gehen in spätmittelalterliche Zeit zurück. Andere sind in den folgenden Jahrhunderten, vielfach auf Rodland oder bei der Aufteilung eines Grosshofes, entstanden, Hütten, früher ein Einzelhof, wurde von den Zeitgenossen um die Mitte des 18. Jahrhunderts als dörfliche Siedlung empfunden. Das vom Zürcher Hans Jacob Leu verfasste Schweizer Lexikon meldete 1756, Hütten sei „ein Dörflein nebst einer Kirch in der Pfarr Richtenschweil und Landvogtey Wädenswil“.
„Unter 74 Häusern (mit 121 Wohnungen) sind noch viele hölzerne, andere aus Fachwerk, mehrere neuere aus Mauerwerk. Alle Gebäude haben Ziegelbedeckung.“ Dies schreibt Gerold Meyer von Knonau 1846 in seinem Buch „Der Canton Zürich“. Noch heute lassen sich in der Gemeinde verschiedene Haustypen nachweisen. Diese Baudenkmäler sind in den letzten Jahren für das Inventar der regionalen und der kommunalen Schutzobjekte erforscht und registriert worden. Ältester Teil der auf einer Geländestufe westlich Hütten gelegene Siedlung Vorder Langmoos ist das Flarzhaus, im Kern ein Blockbau aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Das Bauernhaus mit Wohn- und Ökonomieteil entstand um 1791, zwei Häuser in Massivmauerwerk stammen aus dem 19. Jahrhundert.
Ein ebenfalls ins 16. Jahrhundert zurückreichender Blockbau, unter Schindelschirm, ist das dreigeschossige, in Firstrichtung geteilte Doppelwohnhaus „Segel“ auf flacher Kuppe an der schnurgeraden Hauptstrasse Hütten – Schönenberg. Auf Obere Hängerten steht ein Blockbau mit massiver Westwand unter Sparrendach. Auch er wurde im 16. oder 17. Jahrhundert errichtet.
Im Hügelgelände des Moränenzugs der südlichen Zimmerbergkette liegt der Weiler Untere Laubegg. Hier hat sich ein Bohlenständerbau erhalten, der – aufgrund der Kielbögen über drei Kammertüren – in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts datiert werden kann. Ein aus Bruchsteinen gemauertes Bauernhaus im selben Weiler zeigt Züge des Rokokostils. Es wurde 1777 gebaut. Das Haus „Bergli“ geht auf 1785 zurück.
Auch in anderen Gehöfen hat sich gute Bausubstanz erhalten. Mit Freude darf vermerkt werden, dass gerade in den letzten Jahren verschieden Hauseigentümer ihre Liegenschaften vorbildlich restauriert haben. Reich ist auch die Innenausstattung mancher Wohnungen. Noch sind da und dort Balken oder Kassettendecken sowie Wandtäfer erhalten, Türen aus Nussbaumholz mitkunstvoll geschmiedeten Schlössern, Türklopfern und Beschlägen, Einbaubuffets, „Gutschen“, Blocktreppen: Zeugnisse hohen handwerklichen Könnens. Überraschend ist die Vielfalt wertvoller Kachelöfen. Sie stammen aus den Werkstätten der berühmten Hafner Nehracher in Stäfa und Margstaller in Ebertswil. Von Mathias Nehracher gibt es Kachelöfen auf Vorder Schönau (1764), Segel (1778), Blegi (1778), Voder Schönau (1781), im Gasthof „Kreuz“ (1793), auf Oerischwand (1794), Ober Hängerten (1807). Ein Ofen von Rudolf Nehracher (1791) steht im Haus Ass.-Nr. 56 in Hütten, einer von Rudolf Margstaller (1766) an der Finsterseehalde, einer von Johannes Margstaller (1782) auf Unter Laubegg.
Die Architektur des 19. Jahrhunderts verkörpern – nebst Bauernhäusern auch aus dieser Zeit – unter anderem das Waschhaus „Boden“ (um 1800), die Sennhütte „Segel“ von 1814, das Ökonomiegebäude „Boden“ von 1816, das dreigeschossige Pfarrhaus von 1826 mit regelmässiger Fassadengliederung dreiteiligen Fenstergruppen und übergiebeltem Mitelrisalit. Zusammen mit der Kirche von 1855/56 betont es den Ortseingang von Hütten. Klassizistische Züge wie das Pfarrhaus weist auch das ehemalige Gasthaus „Bären“ auf, das 1833/34 an exponierte Lage auf einem talseitigen Geländesporn errichtet wurde. Beachtenswert sind hier die regelmässige Fassadeneinteilung, die Eckpilaster aus Putz, die umlaufenden, die Geschosse trennenden Gesimse sowie der Türsturz des Hauseingangs mit Inschrift und Jahrzahl: „HBB (Hans Heinrich Bär) 1833“. Ebenfalls aus den 1830er Jahren stammt das schön proportionierte „alte“ Schulhaus unterhalb der Schanz. Auch die Architektur des 20. Jahrhunderts hat den Charakter Hüttens mitgeprägt. Neben Wohnbauten sind es vor allem einige öffentliche Gebäude, welche neue Akzente ins Dorfbild setzten:

1923 das Ferienehim Mistlibüel,welches die Primarschulgemeinde Richterswil anstelle eines am 5. März 1922 abgebrannten Bauernhauses errichten liess
1949 die Postautogarage
1952 das Postgebäude
1955 das Gemeindehaus
1968 das Schulhaus mit Gemeindesaal
1969 die katholische Kirche
1980 das Mehrzweckgebäude

In den 1970er Jahren setzte eine rege Bautätigkeit ein, besonders im Gebiet Halden / Boden talseits der Dorfstrasse. In Hütten, in schöner Landschaft, zu bauen, wurde seit der Eröffnung der Nationalstrasse N 3 noch attraktiver. Der Gemeinderat Hütten sah die Entwicklung voraus und liess darum schon im Jahre 1963 das ganze Gemeindegebiet den Bestimmungen des kantonalen Baugesetzes unterstellen. In der Gemeindeversammlung von 19. Oktober 1981 genehmigten die Stimmberechtigten den kommunalen Richtplan, bestehend aus Siedlungs- und Landschaftsplan, Verkehrs- und Versorgungsplan. Eine im Jahre 1984 erlassene neue Bau- und Zonenordnung ersetzte die Bauordnung von 1970.
Bereits 1945 erliess der Regierungsrat des Kantons Zürich eine Verordnung zum Schutze des Hüttnersees. 1953 stellte der Gemeinderat auch die baumgekrönte Hügelkuppe „Schanz“ unter Schutz. Durch Zukauf einer Parzelle konnte die kommunale Naturschutzzone im Jahre 1958 ausgeweitet werden. Im Rahmen der Eidgenössischen Raumplanung und der kantonalen Gesamtplanung wurde Hütten weitgehend die Funktion eines Naherholungsgebietes für die Bevölkerungszentren am Zürichsee zugewiesen. Bevölkerung und Behörden sind diesen Massnahmen wohlgesinnt, verkennen aber nicht auch gewisse Nachteile, die damit verbunden sind, und hauptsächlich die finanzielle Basis der Gemeinde einengen.
Die folgenden Zahlen veranschauliche die Bautätigkeit in Hütten in den letzten zweihundert Jahren:

Jahr Häuser Haushaltungen
1787 49 90
1799 57 108
1860 106 134
1870 117 126
1880 112 131
1888 108 126
1900 105 125
1910 106 124
1920 103 112
1930 103 119
1941 95 126
1950 94 140
1960 119 145
1970 144 175
1980 166 215
1986 186 230


Quelle: Prof. Peter Ziegler, Wädenswil
letzte Nachführung: 1987

Haus Hängerten
 

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